Invasion der Kuscheltiere- Urkomische Science-Fiction

Und ein weiteres Buch ist jetzt veröffentlicht.

Danke an Maria, die mich auf eine Idee brachte, als es im Juni 2026 so unerträglich heiß war. Und danke an Jürgen, der meine Idee in ein technisches Whitepaper gegossen hat, zu dem sich diese Geschichte dann fast von ganz alleine entwickelt hat.

Worum geht es in Invasion der Kuscheltiere?

Sie planten die ultimative Eroberung – doch sie verwechselten die Menschheit mit einer Sitcom aus den Achtzigern.

Bewaffnet mit tonnenschweren Schulterpolstern, pechschwarzen Ray-Ban-Brillen und einer absolut unerschütterlichen Dummheit glauben General Trekno und seine fünf Millionen pelzigen Invasoren, die Erde sei nichts weiter als ein geräumiger, dünn besiedelter Rückzugsort voller Pastellfarben. Ihr gesamtes taktisches Wissen stammt aus alten Fernsehserien, und ihr Masterplan basiert auf dem Prinzip: Wer braucht schon Physik, wenn man einen Walkman am Gürtel trägt?

Doch während die intergalaktischen Möchtegern-Eroberer in deutschen U-Bahn-Schächten, thailändischer Hitze und im tristen Frankfurter Berufsverkehr landen – und dabei vor allem an der heimischen Schwerkraft, genervten Pendlern und den Härten des echten Lebens scheitern –, ahnt die Menschheit zwischen Zylindersystemen und Drei-Muschel-Toiletten rein gar nichts von ihrem intergalaktischen Glück.

Ein urkomischer Science-Fiction-Spaß über das größte Missverständnis der Galaxiengeschichte. Denn niemand macht Invasionen wie sie – absolut niemand.

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Wer sich auf diesen lustigen Spaß rund um an Selbstüberschätzung leidenden Außerirdischen in einer Utopischen Welt einlassen möchte, findet das Buch ab sofort direkt bei allen Online-Buchhändlern.

Viel Spaßiges wartet darauf, ans Licht gebracht zu werden – viel Spaß beim Lesen!

Die Schwerkraft-Überraschung

Die Landung war, wenn man den Begriff großzügig auslegte und ein Auge zudrückte, das beide Augen zudrückte, ein Ereignis, das man durchaus als „geplanten strukturellen Zusammenbruch“ bezeichnen konnte. Die glorianischen Astronomen waren brillante Denker – zumindest in ihren eigenen Augen, was in der glorianischen Realität meistens bedeutete, dass sie zwar wussten, wo am Morgen die Sonne aufging, aber beim Schnüren ihrer eigenen Stiefel regelmäßig an die Grenzen der Kausalität und der grundlegenden Motorik stießen. Das Konzept der Gravitation hatten sie konsequent ignoriert, weil es ihnen schlichtweg zu unterwürfig erschien. Ein glorianischer Planet, so die einhellige Meinung im glorianischen Zentralrat, hat gefälligst so schwer zu sein, wie ein Glorianer es für sein Ego für angemessen hielt. Dass die Erde sich weigerte, dieser glorreichen Theorie zuzustimmen, war eine Unverschämtheit, die sie noch im Flug als „widerständige Bodenbeschaffenheit“ abgetan hatten. Die Landestelzen der Viper reagierten auf die Realität der Erdanziehung mit der Begeisterung eines alten Keks, der in einen sehr heißen Tee fällt. Sie knickten ein, die Kapseln kippten um wie betrunkene Seemänner am Ende einer sehr langen und sehr feuchtfröhlichen Weltreise, und die Glorianer im Inneren wurden in einen Zustand versetzt, der in der glorianischen Medizin wahrscheinlich als „natürliche Erschütterung des überlegenen Geistes“ gelistet war – was im Grunde nur bedeutete, dass ihnen alles gleichzeitig wehtat, während sie versuchten, so auszusehen, als wäre das ein Teil des Manövers. Briz war nicht kleinzukriegen; sein Ego war robuster als das Titan-Gehäuse ihres Landers und hätte wahrscheinlich selbst einen direkten Treffer von einem vorbeifliegenden Asteroiden als „unerwartete Motivationsspritze“ interpretiert. Während um ihn herum noch die Trümmer rauchten und die Konsole anfing, eine melancholische Melodie zu spielen, die verdächtig nach „Spiel mir das Lied vom Tod“ klang, erhob er sich als Erster. Er interpretierte das komplette Wrack kurzerhand als „taktische Boden-Neuausrichtung“.

„Yabba Dabba Doo! Punktlandung, Leute!“, verkündete er mit einer Stimme, die vor unerschütterlichem, fast schon gesundheitsgefährdendem Selbstvertrauen nur so troff, und wischte sich einen pechschwarzen Rußfleck vom Ärmel seines ohnehin schon schwer mitgenommenen Hawaii-Hemdes, das mit seinen pinken Flamingos – trotz der leichten Schieflage des Trägers und der unglücklichen Tatsache, dass ein ordentliches Stoffstück davon gerade bombenfest in der hydraulischen Luke eingeklemmt war – immer noch den absolut unerschütterlichen, coolen Miami-Look bewahrte. Er stemmte die Hände in die Hüften, trat mit dem Stiefel auf ein glühendes Wrackteil, das prompt ein lautes Zischgeräusch von sich gab, und grinste in den qualmenden Raum. „Genau so hatte ich das auf dem Masterplan: Ein absoluter Knaller-Einstieg, der sofort zeigt, wo der Hammer hängt und wer hier die Hosen anhat! Wer braucht schon eine langweilige, sanfte Landung wie ein Angsthase, wenn man stattdessen einen bleibenden, unvergesslichen Eindruck in der Landschaft hinterlassen kann? Unsere phänomenale Körperbeherrschung ist einfach der absolute Wahnsinn – ich spüre den puren Adrenalinkick bis in die Haarspitzen, das ist einfach durchgehende, pure Action, Baby!“

Er trat gegen eine klappernde Metallplatte, die sofort abfiel und ein Geräusch machte, als würde jemand eine ganze Besteckschublade eine Treppe herunterwerfen. Briz ignorierte es mit der stoischen Gelassenheit eines Mannes, der davon überzeugt ist, dass das Universum nur darauf gewartet hat, dass er hier unten aufschlägt. „Seht ihr?“, rief er seinen wackeligen Untergebenen zu, die gerade versuchten, ihre Schulterpolster wieder in eine horizontal akzeptable Position zu bringen. „Die Erde hat gezittert! Sie hat Angst! Das ist der ultimative Respekt, den uns dieser Planet entgegenbringt. Wir sind angekommen, wir haben die Landezone dominiert, und jetzt ist es Zeit für das Business. Don’t stop me now! Wir haben hier eine Zivilisation zu erziehen, und ich habe nicht den ganzen Tag Zeit, um auf die Schwerkraft zu warten, bis sie sich entschuldigt!“

Draußen, in der tiefen, friedlichen Stille des Chicagoer Vororts, blieb die Erde jedoch auffällig und fast schon unverschämt gelassen. Sie hatte im Laufe ihrer astronomischen Existenz schließlich schon so ziemlich alles gesehen, was ungefragt, ungeplant und mit einer ziemlichen Portion Schmackes auf ihrer Oberfläche einschlug – angefangen bei ambitionierten Meteoriten über verirrte Weltraumschrott-Satelliten bis hin zu Asteroiden, die sich offensichtlich in der Hausnummer geirrt hatten.

Aber diese ungebetenen kosmischen Gäste hatten im Vergleich zu den Glorianern immerhin ein entscheidendes Minimum an Anstand besessen: Sie hatten wenigstens nicht versucht, sich nach den neuesten Modetrends von Miami Vice anzuziehen, trugen keine knallpinken Sakkos mit hochgekrempelten Ärmeln und machten vor allem nicht diesen völlig absurden Lärm, während sie neben dem Pavillon eines Wohnzylinders aufschlugen.

Chicago

Briz stieß die hydraulische Luke mit einem beherzten Tritt auf – oder vielmehr: Er versuchte, den absolut heldenhaften, raumgreifenden Schritt eines Mannes zu vollziehen, der genau weiß, dass das gesamte Universum im Grunde nur darauf gewartet hat, endlich den roten Teppich für ihn auszurollen. Mit einer theatralischen Geste, die in jedem Achtzigerjahre-Musikvideo für offene Münder gesorgt hätte, wollte er die Rampe hinuntergleiten. “Ein kleiner Schritt für einen Glorianer, aber ein riesen…”, hauchte er noch heroisch in die frische Nachtluft von Chicago, bevor die Realität beschloss, eine kleine, aber entscheidende Abkürzung zu nehmen.

Exakt siebzehn Zentimeter später lag Briz flach mit dem Gesicht voran im triefenden, kalten Schlamm des Vorgartens – ein absolut klassischer, lehrbuchmäßiger Bauchplatscher, der so garantiert nicht im Drehbuch stand und vermutlich sogar die eher humorlosen Newton’schen Gesetze dazu brachte, sich vor lauter Schadenfreude vor Lachen zu biegen. „Bei den dreizehn pelzigen Göttern von Cobol!“, stammelte er wütend, während er panisch versuchte, den zentimeterdicken, lehmigen Chicagoer Matsch aus seinem sorgfältig gestärkten, pastellfarbenen Kragen zu pulen, der nun eher braun als hellblau war. „Ich bin zu alt für so ne Scheiße. Dieser primitive Planet besitzt ja wohl die absolute, bodenlose Frechheit, mich einfach festzuhalten! Was für eine danebenbenehmende, unerhörte Unverschämtheit. Er hat sich gefälligst meiner glorianischen Präsenz sofort anzupassen – und zwar ruckzuck, wenn ich bitten darf! Da fehlt es dem Boden eindeutig am nötigen Respekt vor einer ordentlichen, choreografierten Invasion.“ Er wartete. Er lauschte angestrengt. Aber erstaunlicherweise hörte man nirgendwo im Umkreis ein dutzendfaches, ansteckendes Lachen von irgendwelchen unsichtbaren Zuschauern erschallen, wie es in so vielen ihrer entscheidenden Dokumentationen doch üblich war. Die Erde bestand doch wohl offensichtlich aus einem permanenten, eingebauten Hintergrundlachen, das jede kleinste Kleinigkeit sofort kommentieren musste. Aber als Briz hier nun im Dreck lag und jämmerlich aussah, hörte man genau gar nichts. Nicht einmal ein leises Kichern. Stattdessen herrschte eine beunruhigende Stille. Briz fühlte sich plötzlich bleischwer. Sein glorreiches, handverlesenes Hawaii-Hemd, die unschlagbare Ray-Ban-Sonnenbrille und der obligatorische schwarze Hut – ein modisches Meisterwerk, das in jedem beliebigen Miami Vice-Videoclip für weltweite Furore gesorgt hätte – fühlten sich nun an, als hätte jemand heimlich tonnenschwere Ambosse hineingenäht und sie dann in einer Waschmaschine voller flüssigem Blei zentrifugiert. Der von ihm eigentlich beabsichtigte, furchteinflößende, schnelle Sturmangriff mutierte in der harten Realität zu einem torkelnden, schmerzhaft langsamen Schlurfen, das eher mit dem Gang eines Pinguins auf Ecstasy zu tun hatte als mit einer Invasion, die eigentlich „Volle Kanne Hoschi“ hätte enden sollen. Es war ein Moment von wahrhaft tragischer Komik.

„Faszinierend!“, rief Briz mit einer Stimme, die klang, als hätte man einen Roboter mit ernsthaften Sprachfehler in eine Kiste voller Quietscheentchen geworfen, während er bedrohlich mit dem Zeigefinger wackelte und verzweifelt versuchte, nicht wie ein frisch umgestürzter Postkasten zur Seite zu kippen. Er hob feierlich das Kinn, täuschte eine vulkanische Grußgeste an, die allerdings mehr aussah wie ein krampfhafter Rettungsversuch vor dem endgültigen Umfallen, und sprach mit hochgestochenem, völlig unpassendem Ernst zu sich selbst: „Die hiesige Schwerkraft ist hier so total geflasht von meinem monumentalen Auftreten, dass sie sich förmlich an mich klammert! Yabba Dabba Doo! Logischerweise ist das ein eindeutiges Zeichen von absolutem Respekt, Jungs, ehrlich wahr. Sie will mich einfach nicht mehr loslassen, weil sie von meiner intellektuellen und modischen Überlegenheit absolut tief beeindruckt ist. Don’t you forget about me, Schwerkraft, ich habe dich genau erkannt!“

Auf Gloria war es selbst in den dunkelsten Winternächten unbarmherzig und kuschelig warm gewesen – ein tropisches Paradies, das im Vergleich zur Erde eher an das Innere eines gut vorgeheizten Industrie-Hochofens erinnerte. Doch nun regnete es in Strömen über Chicago, und dieses nasskalte irdische Aprilwetter traf die intergalaktischen Invasoren nicht bloß als einfache meteorologische Unwägbarkeit, sondern als existenzielles Debakel von apokalyptischen Ausmaßen. Da die Glorianer ihren dichten Pelz zu Hause stets nach den neuesten ästhetischen Maßstäben ihrer Modekultur zu streng geometrischen Mustern gestutzt hatten, bot dieser künstlich verkleinerte Pelzmantel keinerlei nennenswerten Schutz gegen die feuchtfrische irdische Witterung. Hinzu kam die ganz persönliche Ästhetik der glorianischen Soldatinnen: Ihre stolzen, hochtoupierten Haarprachten, die dank literweise galaktischem Super-Hold-Haarspray normalerweise so steif fixiert waren, dass sie mühelos als leichte ballistische Panzerung hätten durchgehen können, verloren im dichten Nieselregen schlagartig ihre architektonische Integrität. Schwere, durchnässte Strähnen hingen ihnen nun triefend nass und völlig perspektivlos ins Gesicht. Was für die bodenständigen Einheimischen da draußen aufgrund der globalen Klimaerwärmung ein vielleicht etwas frischer, aber ansonsten erträglicher Abend war, fühlte sich für die Besucher bei milden 20 °C an wie der direkte, unbarmherzige Abstieg in die absolute Nullpunkt-Hölle. Da nützten auch die fluoreszierenden Stirnbänder und die neongelben Strickstulpen, die zur offiziellen Elite-Uniform der glorianischen Einheiten gehörten, herzlich wenig. Sie wirkten im nassen grauen Licht der Straßenlaternen eher wie eine Gruppe völlig verwirrter, panischer Achtziger-Jahre-Aerobic-Trainer, die sich bei einem Betriebsausflug auf dem Weg zum Skilift gewaltig in der Galaxie geirrt hatten.

„Es ist saukalt hier, Sir! Mein Fell macht nicht mehr mit!“, stellte einer der Soldaten mit tonbebendem Jammern fest. Er versuchte panisch, sein wild klapperndes Gebiss durch eine steife, heroische Pose zu kaschieren, die eigentlich aussehen sollte, als würde er gerade extrem konzentriert ein wichtiges High-Level-Meeting vorbereiten – oder eine verdammt komplizierte Pralinenschachtel aufknacken. Briz, der mitten im Schlamm stand, blaffte zurück, während sein ganzer Körper in einem so rasanten Takt bebte, dass er aussah wie ein frisch geschüttelter Wackelpudding bei einem mittelschweren Erdbeben: „Kalt? Sag bloß nicht Kalt zu mir, Soldat! Das ist keine Kälte, das ist eine rein mentale, klimatische Challenge für Leute mit deutlich weniger Charakter als wir! Das ist doch purer Pillepalle-Schnickschnack, absolut unter unserem strategischen Niveau. Wir ziehen uns jetzt kurz taktierend zurück, um diese feindliche Atmosphäre psychologisch zu dominieren, indem wir sie einfach mal gepflegt ignorieren! Ein hocheffizienter, taktischer Rückzug für maximale Performance, versteht ihr? I‘ll be Back, meine Herren, wir holen uns nur kurz unsere thermische Dominanz zurück!“ Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, stolperten sie im Gänsemarsch zurück in das Innere ihrer beschädigten Viper und verrammelten die hydraulische Luke mit allem, was im Chaos gerade greifbar war: Einem verbogenen Camping-Klappstuhl, einer schweren Alukiste voller industrieller Ersatz-Schulterpolster und einem extrem verwirrten Exemplar eines alten Doppel-Kassettenrekorders. In ihrem internen, glorianischen Logbuch würden sie diesen glorreichen Moment später zweifellos als „strategisches Abwarten auf höchster Ebene“ bezeichnen – eine absolute 1A-Entscheidung, wie sie im Buche der Sieger stand. In der ungeschönten Realität war es freilich nichts anderes als ein jämmerliches, zitterndes Verstecken in einer glänzenden Blechdose, während sie inständig hofften, dass da draußen bloß kein Einheimischer nach dem Rechten sah. Aber für Briz war es genau in diesem Augenblick „der größte operative Move des gesamten Jahrzehnts“ – ein genialer, taktischer Schachzug, bei dem selbst J.R. Ewing vor Neid bleich geworden wäre, hätte er nur die passenden neongelben Stulpen dazu besessen.

Bangkok

Ganz anders stellte sich die Lage in Bangkok dar, auf der anderen Seite des Globus, wo die Sonne mit einer derartigen Begeisterung auf den Asphalt knallte – mittags erreichten die Temperaturen mörderische 50 °C –, als wolle sie den Planeten eigenhändig gar kochen, nur um zu sehen, ob er „al dente“ oder „patsch-nass“ besser schmeckte. Die Straßen waren wie leergefegt, kein Mensch wagte sich in die glühende Hitze, die man normalerweise nur in einer Sauna findet, in der jemand vergessen hat, das Fenster zu schließen. Hier landeten die Viper bei hellem Tageslicht, und die Soldaten stürmten nach dem Umkippen mit jenem Selbstvertrauen ins Freie, das man sonst nur bei Lemmingen mit einem ausgeprägten Hang zum Optimismus findet. Sie waren fest davon überzeugt, die gesamte thailändische Metropole in weniger als fünf Minuten unterwerfen zu können – was vor allem daran lag, dass ihre „historischen Dokumentationen“ Bangkok hartnäckig mit einer leicht vergrößerten Version von Tokio verwechselten, in der Godzilla hinter jeder Ecke wartete, um ihnen die Arbeit zu erleichtern. Leutnant Kraz stemmte seine Loafer, in denen er barfuß steckte, in den glühenden Asphalt, der gerade dabei war, seinen Füßen das Konzept von „knusprig“ näherzubringen. Die Luft flirrte so stark, dass die gläserne Fassade des Luxushotels in der Ferne wie eine Fata Morgana tanzte – ein Umstand, den Kraz für einen hochmodernen Tarnschild der Einheimischen hielt. Jeder Schritt war ein Kampf gegen die Gravitation, die ihn wie ein bösartiger Terminator in die Knie zwingen wollte, der ein sehr schlechtes Verhältnis zu kleinen, pelzigen Invasoren hatte. Er ließ sich nichts anmerken, rückte sein knisterndes Seidenjacket zurecht und starrte auf die leere Straße, die mit der Stille eines Raumes bestückt war, in dem gerade alle beschlossen hatten, an einem anderen Ort zu sein.

„Wo bleiben sie?“, blaffte Kraz. Er deutete mit seiner Fruchtstangen-Zigarre auf die verlassene Straße, wobei die Zigarre vor Hitze bereits Anstalten machte, sich in flüssigen Zucker zu verwandeln. „Sind die alle Melonen tragen? Ich sehe keine Widerstandsgruppe, keine Eliteeinheiten, nicht mal einen Wachmann! Das ist doch totaler Käsekuchen, Leute! Viel Rauch um nichts, alles Banane!“ Sein Feldwebel, dessen Pelz unter dem Hawaii-Hemd bereits in feuchten Strähnen herabhing und ihm die Optik eines begossenen Pudels mit Napoleon-Komplex verlieh, wankte bedenklich. „Vielleicht haben sie sich… versteckt, Sir? Die Architektur hier ist hinterhältig! Sie verstecken sich bestimmt hinter dieser… Glas-Illusion!“ Kraz lachte, ein trockenes, triumphales Geräusch, das klang wie eine Packung Kekse, die man in einem Vakuum zerdrückt. „Sie haben die Stadt geräumt, du Dussel! Sie haben unsere Ankunft gespürt. Das hier ist keine normale Invasion, das ist eine 1A-Kapitulation aus blankem Entsetzen! Sie haben den Betrieb eingestellt, nur um uns nicht zu stören. Yabba Dabba Doo, Männer! Wir dominieren das Terrain bereits durch unsere reine Präsenz! Wir sind die Kings of Bangkok!“

Sie watschelten durch ein Geschäftsviertel, so geschäftig-kühl und klimatisiert, dass die Menschen in den tiefen Etagen ihrer Büro-Zylinder nicht einmal bemerkten, dass draußen eine Truppe schwer bewaffneter Pelztiere gegen ihre eigene Trägheit – und die thailändische Sonne – ankämpfte. Die Einheimischen saßen dort bei angenehmen Temperaturen und fragten sich, ob sie nach der Arbeit noch einen Eiskaffee trinken sollten, während sie völlig ahnungslos die Eroberer über ihre Köpfe hinwegziehen ließen, als wären sie eine besonders exzentrische Parade. Da sie aber Glorianer waren, fanden Kraz und seine Männer eine logische Erklärung: Die Menschen hatten die Stadt in atemberaubender Geschwindigkeit evakuiert, nur um ihnen Platz für eine ordentliche Invasion zu machen. Ein echter VIP-Empfang. The Power of Love, oder in diesem Fall: The Power of Pelz. Kraz hielt inne und hob den Zeigefinger, während er gefährlich zur Seite neigte, als würde der Boden unter ihm beschließen, dass er heute eigentlich lieber ein Sumpf wäre. „Hört ihr das? Die Stille?“ 

„Das ist nur die leere Stadt, Sir…“, murmelte ein Soldat, der gerade mit dem Gesicht voran in den heißen Asphalt sackte und dort eine sehr exakte, wenn auch leicht verkohlte Kopie seiner Gesichtsstruktur hinterließ. Kraz ignorierte ihn mit der Souveränität eines Wall-Street-Tycoons, der gerade eine Firma ruiniert hat, aber weiß, dass die Abfindung stimmt. „Das ist der Soundtrack des Sieges! Null Problemo! Wir haben das Ding im Kasten. I’m walking on sunshine!“ Er feuerte seinen imaginären Colt in den wolkenlosen Himmel. „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert! Bangkok gehört uns. Das ist der Megahit des Jahrhunderts – und niemand, ich wiederhole: niemand, hat dabei so cool ausgesehen wie wir!“ Er sah sich nach seinem Trupp um. Die Hälfte hing in den Seilen, die Knie kurz vor dem totalen Kollaps unter der deutlich höheren Schwerkraft als auf Gloria, ihrem Heimatplaneten. Sie sahen aus wie eine missglückte Boygroup am Ende einer sehr harten Tournee. „Männer und Frauen, nehmt Aufstellung! Wie in den Aerobic-Dokumentationen! Ganz locker aus der Hüfte kreisen!“, brüllte Kraz. Er versuchte, eine lässige Pose einzunehmen, was eher aussah, als würde er unter einer unsichtbaren Last zusammenbrechen, die normalerweise für den Transport von Elefanten gedacht war. „Seht ihr das Hotel da vorne? Das ist das Hauptquartier! Da drinnen bunkern sie den Widerstand – oder vielleicht die Minibar. Beides ist ein heißes Eisen! Go ahead, make my day!“ Er wuchtete sein rechtes Bein nach vorne, als würde er ein tonnenschweres Gewicht hinter sich herziehen, das mit seinem Ego festgekettet war. „Keine faden Ausreden jetzt! Wir ziehen das eiskalt durch, als gäbe es kein Morgen! Wer braucht schon taktische Analysen, wenn man Weltklasse-Optik besitzt? Leute, das ist das Sahnehäubchen auf unserer Schwarzwälder Kirschtorte!“ Ein dutzendfaches, zittriges „Yabba Dabba Doo! Null Problemo!“ schallte ihm entgegen, während der Trupp mit bebenden Muskeln versuchte, eine militärische Formation zu halten, die eher an einen betrunkenen Haufen auf einer Betriebsweihnachtsfeier erinnerte. „Action!“, schrie Kraz und riss die Faust hoch. „Wir marschieren jetzt da rein und fordern den Generalstatus ein! Das wird der absolute Blockbuster – denkt an den Synthesizer-Pop, der gleich über uns losgeht, sobald wir den Tresor sichern!“ Mit einem wuchtigen, torkelnden Satz stürmte Kraz voran. Sein Schritt war schwer, sein Jacket knisterte bei jeder Bewegung wie eine kaputte Radiofrequenz auf der Suche nach einer Frequenz, die noch Musik aus den Achtzigern spielte, aber in seinem Kopf lief gerade der Titelsong von Top Gun, Danger Zone, während er auf die gläserne Drehtür zusteuerte, die er fälschlicherweise für ein hochgesichertes Hochsicherheitstor hielt, das nur darauf wartete, von seinem „coolen Auftritt“ in die Knie gezwungen zu werden.

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